Gatekeeping tötet den Kunstmarkt.
Und das gilt auch für die Opazität.

Es ist kein Geheimnis, dass viele Strukturen auf dem Kunstmarkt veraltet wirken. Während Mega-Galerien und große Auktionshäuser wie Sotheby’s und Christie’s begonnen haben, sich an eine neue Generation von Sammlern anzupassen, hinken viele kleine und mittelgroße Galerien immer noch hinterher.

In ihrem aktuellen Buch NextGen Collectors and the Art Market argumentiert Georgina Adam, dass Millennials und Gen Z das Sammeln ganz anders angehen als frühere Generationen. Nicht nur entwickelt sich ihr Geschmack weiter, was natürlich ist, sondern noch wichtiger: Die Art, wie sie Kunst entdecken, recherchieren und kaufen, hat sich grundlegend verändert.

Jahrzehntelang florierte der Kunstmarkt durch Undurchsichtigkeit, wahrgenommene Exklusivität und Gatekeeping. Die Preise waren verborgen. Der Zugang war eingeschränkt. Der Erwerb bestimmter Werke hing oft weniger von echtem Interesse und mehr davon ab, die “richtigen” Verbindungen und Beziehungen zu haben.

Dieses Modell könnte für einige wenige Blue-Chip-Galerien noch funktionieren. Aber bei 99 % des Marktes funktioniert das nicht.

Die nächste Generation von Sammlern wuchs in einer Welt auf, in der Informationen unmittelbar, zugänglich und digital sind. Wenn Informationen, insbesondere Preise, nicht verfügbar sind, schafft das keine Attraktivität mehr. Das erzeugt Desinteresse.

Die Werte haben sich verschoben. Jüngere Sammler legen Wert auf Transparenz, Teilhabe, Dialog und Erfahrung. Soziale Medien sind zum stärksten Hebel für diesen Wandel geworden. Die alte Kunstwelt-Haltung “Du kannst nicht mit uns sitzen” hat sich still und leise umgekehrt. Zunehmend wollen Sammler nicht mehr mit Galerien sitzen, die sich weigern, sich offen zu engagieren.

Und Galerien sollten aufmerksam sein. Das sind nicht nur die heutigen Sammler, sondern auch die Generation, die durch die Große Vermögensübertragung mehr Reichtum und Kunst erben wird als jede zuvorgegangene Generation.

Der heutige Geschmack wird sowohl online als auch offline geprägt. Durch Instagram, digitale Publikationen, Podcasts, Messen, Studiobesuche und Gespräche. Informationen über Künstler, Ausstellungen und ja, Preise online verfügbar zu machen, schafft Sichtbarkeit, Interesse und letztlich Vertrauen. Dieses Interesse führt dann zu bedeutendem Engagement und Verkäufen im Offline-Bereich.

Es geht hier nicht um online versus offline. Die Zukunft des Kunstmarktes hängt davon ab, zu verstehen, wie beides zusammenarbeitet. Wenn der Markt, insbesondere kleinere und mittelgroße Galerien, überleben will, muss er an diesem Wandel teilnehmen und ihn aktiv gestalten. Das Interesse ist da. Das Publikum ist da. Die Menschen wollen sich mit Kunst auseinandersetzen.

Aber Informationen zurückzuhalten und Transparenz als Bedrohung zu behandeln, war nie besonders cool. Heute ist es auch wirtschaftlich nicht mehr nachhaltig.

Und ehrlich gesagt, was bringt das überhaupt?

Katharina Neudeck

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