Yayoi Kusama und Führung – von Künstlern lernen

Eine besondere Führung durch die Ausstellung

Yayoi Kusama ist eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Nachkriegszeit. Ihr Markenzeichen ist der Punkt, besser gesagt: viele Punkte. Es scheint, dass alles, was ihr begegnet, mit Punkten besetzen zu müssen, damit auch besitzen? Auch ihre selbst geschaffenen größeren und kleineren Kunstwerke sind mit Punkten übersät.

Doch was hat das mit Führung zu tun?

Sie arbeitet seit Jahrzehnten mit denselben Motiven, nicht aus Mangel an Ideen, sondern aus einer kompromisslosen inneren Logik heraus. Wiederholung ist bei ihr kein Stillstand, sondern Stabilisierung. Obsession ist kein Defekt, sondern Fokus. Kontrolle und Kontrollverlust existieren gleichzeitig. Und die Unendlichkeit ist kein Versprechen, sondern eine Zumutung.

Damit ist Kusama erstaunlich nah an der Realität moderner Führung.

Yayoi Kusama als Denkmodell für Führung, Resilienz und Selbstführung

Yayoi Kusama steht für eine Form von Konsequenz, die in der Wirtschaft selten geworden ist. Ihr Werk entsteht aus einer tiefen inneren Notwendigkeit. Es folgt keinem Trend, keinem Marktimpuls, keiner Erwartung. Es folgt einer inneren Ordnung, die über Jahrzehnte trägt.

Diese Haltung macht Kusama zu einer hochrelevanten Referenz für Führungskräfte in Zeiten dauerhafter Unsicherheit.

Besonders relevant: Kusama spricht offen über psychische Erkrankung – und arbeitet dennoch, seit Jahrzehnten, hochproduktiv. Nicht trotz ihrer inneren Zwänge, sondern mit ihnen. Das ist keine Romantisierung von Leiden, sondern ein realistisches Modell von Resilienz: Selbstführung beginnt dort, wo man die eigenen Grenzen kennt und gestaltet, statt sie zu verleugnen.

Zentrale Prinzipien – und warum sie Führungskräfte betreffen

Kusamas künstlerische Praxis folgt einer Haltung, die man als radikale Selbstführung beschreiben kann. Sie weiß, was sie antreibt – und was sie bedroht. Anstatt ihre Angst zu verdrängen, baut sie Systeme, in denen sie handhabbar wird. Ihre Wiederholungen sind Versuche, Ordnung in innere wie äußere Überforderung zu bringen. Ihre Spiegelräume konfrontieren uns mit Auflösung von Identität: Wo höre ich auf, wo beginnt das System?

Für Führungskräfte ist genau das Alltag. Entscheidungen werden in Umfeldern getroffen, die nicht mehr linear, nicht mehr kontrollierbar sind. Identität ist nicht stabil – sie wird ständig gespiegelt, bewertet, infrage gestellt. Fokus ist knapp, Ablenkung permanent, psychische Belastung real.

Kusama zeigt: Stabilität entsteht nicht durch Vereinfachung, sondern durch bewusste Struktur im Chaos.

Kusama und die Parallelen zu Führung in komplexen Systemen

In Kusamas Arbeit gibt es keinen finalen Zustand. Jedes Werk ist Teil eines fortlaufenden Prozesses. Das entspricht Organisationen, die nie „fertig“ sind. Ihre Räume überfordern bewusst. Sie zwingen zur Orientierung ohne Anleitung. Genau das erleben Führungskräfte in Transformationen: Es gibt keine Karte, nur Bewegung.

Kusama positioniert sich radikal. Sie passt sich nie an den Markt an, sondern zwingt den Markt, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Jahrzehntelang wurde sie ignoriert, missverstanden, belächelt – und blieb dennoch konsequent. Heute ist sie global präsent, gerade weil sie nicht reagiert hat, sondern gehalten.

Das ist ein starkes Gegenmodell zur reaktiven Führung: nicht schneller werden, sondern klarer.

Radikale Selbstpositionierung

Kusama hat sich früh klar positioniert. Sie hat ihre Perspektive sichtbar gemacht und über lange Zeit daran festgehalten. Diese Selbstpositionierung war mit Widerstand verbunden, hat aber ihre künstlerische Identität geschärft und unverwechselbar gemacht.

Für Führungskräfte ist das ein Hinweis auf die Bedeutung von Haltung. Wer Führung übernimmt, muss sichtbar werden, Entscheidungen vertreten und Verantwortung tragen. Klare Positionierung schafft Vertrauen, auch wenn sie angreifbar macht.

Was Führungskräfte konkret von Kusama lernen können

Nicht Kreativität als Technik, sondern als Haltung. Kusama zeigt, dass kreative Kraft aus Konsequenz entsteht, nicht aus Ideenvielfalt. Für CEOs heißt das: Strategie ist nicht das Sammeln von Optionen, sondern das Durchhalten einer Richtung.

Künstlerische Obsession wird bei ihr zu strategischer Klarheit, weil sie nicht zerstreut, sondern bündelt. Führungskräfte können daraus lernen, dass Wiederholung ein Führungsinstrument ist – Werte, Haltung, Prioritäten müssen so oft wiederholt werden, bis sie Struktur bilden.

Ihr Umgang mit innerem Chaos ist ein Modell für Selbstführung: Sie externalisiert es, macht es sichtbar, bearbeitbar. Übertragen heißt das: Emotionen, Unsicherheit, Zweifel gehören nicht hinter die Bühne, sondern müssen bewusst geführt werden – sonst führen sie.

Bitte melden Sie sich bei mir, wenn Sie eine persönliche Führung durch die Ausstellung möchten.